Willkommen bei der evangelischen Kirchengemeinde auf der Höri

 

Sonntags-Gedanken in der Krise: Kontaktverbot
Pfarrer Klaus, 29. März 2020

Liebe Gemeindeglieder

Ich würde es als das Wort der Woche bezeichnen: Kontaktverbot. Seit 7 Tagen gibt es weitreichende Ausgangsbeschränkungen. Nur noch zwei Personen dürfen draußen gemeinsam unterwegs sein. Unsere Ortschaften erscheinen leer. Wo früher Ansammlungen von Kindern auf den Spielplätzen waren und Gewusel im Sandkasten zu sehen war, flattert nun ein rot-weißes Sperrband. Wo sonntags am Ufer des Sees viele auf engstem Raum den ersten Frühlingskaffee genossen, stehen die Stühle hochgestapelt. Verwaist sind die Parkplätze und Parkuhren. Die Grünflächen, Parks und Sportplätze unbetretbar.

Das Kontaktverbot trifft uns schwer. Wir sind doch Menschen, die auf Kontakt hin angelegt sind. Schon die Bibel spricht auf der ersten Seite davon: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. Das sagt Gott zu Adam. Und stellt ihm darauffolgend eine Partnerin zu Seite. Gemeinsam bewältigen sie ihr Leben, gemeinsam stärken sie sich, helfen sich. Gemeinsam baden sie Schwächen aus. Von einem Gott ist die Rede, der umsichtig uns Andere zur Seite stellt. Ein Gott, der dem Alleinlassen und Alleinsein entgegenwirkt. Das gefällt mir. Aber in diesen Tagen ist dies notwendigerweise nur eingeschränkt möglich. Und wir merken wohl, da fehlt was, da fehlt jemand.

Ich vermisse zuweilen (nicht immer) die Schulkinder, die mich zur Schulstunde begrüßen: „Guten Morgen Herr Klaus, schön sie zu sehen“. „Gleichfalls“, antworte ich und dann beginnen wir singend den Unterricht. Ja, schön, sie zu sehen. Aber nun ist das mit dem Sehen eingeschränkt. Manchem Schüler wird zuhause die Decke auf den Kopf fallen. Man kann zwar raus, aber viel lieber würden sie bolzen auf den Sportplätzen oder sich verabreden zum Chillen. Und manche Älteren, die zur Risikogruppe gehören, machen nur kurz die Tür auf, weil zu viel Kontakt gefährlich wäre. Zurecht. Selbstschutz ist wichtig.

Kontaktverbot heißt Rückzug ins Private, bedeutet Homeoffice, von Zuhause telefonieren, Videokonferenzen abhalten, Skypen. Gott sei Dank gibt es diese Möglichkeiten des digitalen Kontakts. Sie überbrücken Distanzen. Aber noch etwas anders ist es, einander zu spüren, körperlich einem anderen nah zu sein. Es ist eben nicht gut, dass der Mensch allein sei. Gott spürt das dem Menschen als Erster ab und unternimmt eines seiner grandiosen Schöpfungswerke: Mir Menschen an die Seite zu stellen.

Kontaktverbot. Ich merke nicht nur, dass mir unmittelbare Bezugspersonen fehlen. Ich spüre auch deutlicher als sonst, wie ich neu lernen muss, mit mir allein sein zu können. Eine Bekannte schrieb mir, wie schwer es ihr fällt, dem Tag zuhause eine disziplinierte Struktur zu geben. Eine eigene Ordnung entwickeln und vielleicht noch zusammen in der Familie ist herausfordernd, aber entscheidend. Manchmal ist es nicht leicht, es bei sich auszuhalten, bei sich zu sein, mit sich etwas anfangen zu können. Ein bekannter Theologe sagte einmal: Nur wer auch mit sich allein sein kann, kann auch eine Gemeinschaft bereichern. Nur wer bei sich ist, wird auch bei anderen sein können. Sonst flieht er von sich weg, läuft weg von dem, was sich ihm als Frage aufdrängt: Was willst du? Was ist dein Eigenes? Was steckt in dir? Was hast du zu geben, was ist dir gegeben? Ja, so lerne ich mich gerade neu kennen!

Und manch einer, der jetzt wieder länger zuhause ist, lernt plötzlich auch seine Kinder, seinen Partner neu kennen. Da bekommt man wieder einen Einblick über den umfänglichen Schulstoff des Kindes, erfährt was von seinen Freunden, mit denen es chattet, spürt auch, dass Papa sich sorgt, weil er mit dem Kurzarbeitergeld einige Wünsche der Kinder hintenanstellen muss. Oder wie unruhig Mama ist, weil sie sich sorgt um Großmutter. Wir erleben einander sehr nah, sehr lange, mit allen Gefühlen und Schwankungen, doch wir haben uns auch. Und das zählt und ist auch ein Gewinn. Jetzt bleibt Zeit, sich mal wieder um den Tisch zu versammeln. Das war vielleicht lange nicht möglich, weil der eine zum Sport musste und der andere noch ein wichtiges Treffen hatte. Jetzt lohnt sich mal wieder schön kochen, weil alle abends da sind.

Kontaktverbot: Nun merke ich auch, wie gut es tut, sich zurückziehen zu können. Gerade, wenn man zu eng beieinander ist. Es gibt auch ein zu nah sein. Da ist es gut, wenn wir einen Rückzugsort haben, wenn man sich da zeitweise aus dem Weg gehen kann, ungestört bleiben kann, kurz an die frische Luft kann. Forscher sagen uns, wenn dies nicht der Fall ist und viele Familien erleben hier gerade hier bei beengten Verhältnissen eine harte Probe, dann ist das eine enorme psychische Belastung für alle. Gereiztheit, Unruhe, Konflikte keimen. Wir erleben alle hier gerade ein großes Sozialexperiment. Ausgang offen. Empfehlung: Einen Boxsack für alle aufhängen!

Ich spüre in diesen Tagen deutlich die Bedeutung der biblischen Wahrheit. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich spüre die Schönheit dieses Satzes, weil mir jemand fehlt, weil Nähe guttut. Und mir die Gegenwart anderer guttut. Ich spüre die Geduldsprobe dieser Wahrheit, weil ich auf mich zurückgeworfen werde und mir selbst begegne in meiner Unruhe, Unsicherheit. Ich will mich ihr geduldig stellen. Und merke etwas von der Herausforderung des Satzes, weil es mir auch mit anderen zu eng werden kann und weil meine Nähe für andere zu viel sein kann. Dann will ich das auch zur Sprache bringen. Und ich hoffe, andere signalisieren mir das auch!

Und ein letztes wird mir beim Wort Kontaktverbot noch bewusst: In diesen Tagen gilt es keinen allein zu lassen. Es gilt auf die zu achten, die sich allein fühlen. So eine Zeit kann depressiv machen, sagen Forscher. Menschen können vereinsamen. Wir brauchen eben Kontakt. Wir sind gemeinschaftlich angelegt. Diese Genetik steckt in Gottes Geschöpfen. Wir sind keine Inselwesen. Kevin allein zuhause ist nur kurz ein Spaß. Auf Dauer ist das langweilig und schwierig.

Daher: Keinen alleinlassen. Versendet E-Mails, telefoniert, schickt ein Päckchen, stellt etwas vor die Tür. Chattet, singt von Balkonen. Spaziert draußen und grüßt einander über die notwendige Distanz. Winkt der Bekannten im Laden. Denn es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist! Für Gott ist das klar. Für Gott ist diese Wahrnehmung handlungsleitend gewesen. So stellt er Menschen einander an die Seite. Und in Christus stellt er sich selbst an unsere Seite. In ihm sagt er zu: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.

Denken sie daran, wenn heute am Sonntag und mittwochs die Glocken läuten. Wir Gemeinden in der Region werden alle um 10.00 Uhr die Glocken läuten lassen. Wir möchten eine Verbundenheit ausdrücken. Der Klang lädt ein, ob allein oder miteinander, eine Kerze zu entzünden, sie auf den Tisch zu stellen. Wenn sie möchten, können sie ein Gebet sprechen und ein Lied singen. Das Gebet bringt uns zusammen. Es verbindet uns untereinander über weite Distanzen. Es verbindet uns mit dem, der keinen allein lassen wird. Sonntag ist der Tag des Herrn. Zu ihm gehören wir. Wir gehören nicht der Krise. Denn es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.

Ihr Pfarrer Roland Klaus



Aktuelles zum Umgang mit der Corona Krise

Gottesdienste: Alle Gottesdienste entfallen bis einschließlich 19.4.2020.

Veranstaltungen/Kreise: Alle gemeindlichen Veranstaltungen sind abgesagt (bis 19.4).

Pfarramt: Pfr. Klaus und Fr. Koch (Sekretärin) sind über das Pfarramt erreichbar. Gern sind wir für sie da (Beerdigungen Gespräche, Hilfen). Sie können mit uns Kontakt aufnehmen unter 07735/2074.

Auf unserer Homepage finden sie jeweils an den kommenden Sonn- und Feiertagen einen auf die Krise bezogenen gedanklichen Anstoß (Andacht). Auch auf der Homepage des Bezirks  (www.ekikon.de) und der evangelischen  Landeskirche- www. ekiba.de/kirchebegleitet- finden sie begleitende Texte, Gebete, die ihnen helfen wollen durch die Krise zu gehen. 

Als kirchliche Gemeinden in der Region (Radolfzell, Höri und Böhringen) werden wir in den kommenden Wochen zwei Rituale vollziehen.

  • Jeden Mittwoch um 19.30 Uhr und jeden Sonntag um 10.00 Uhr werden in allen Gemeinden die Glocken läuten.
  • Jede Familie, jede Person, die es möchte, kann eine Kerze entzünden und diese als Zeichen der Verbundenheit sichtbar ins Fenster stellen.
  • Ein Lied kann gesungen werden (z.B. Großer Gott wir loben dich)
  • Ein Gebet kann gesprochen werden, das mit dem Vater Unser endet

Wir werden uns künftig nicht miteinander versammeln können, aber wir können unsere Verbundenheit in der Hoffnung auf Gott auch auf diese Weise zum Ausdruck bringen.

Setzen sie mit uns dieses verbindende, ökumenische Zeichen. Zeigen wir miteinander, dass die gemeinsame Hoffnung ansteckend sein kann, mehr als die spürbare Not.

Für Ostern werden die evangelischen Gemeinden der Region (Böhringen-Radolfzell-Höri) eine hörbare Predigt einstellen. Zudem werden die Glocken am Ostersonntag läuten und die Osterkerze den ganzen Tag entzündet sein. Die Petruskirche ist dann ganztägig geöffnet.

Ich wünsche uns allen, dass wir diese herausfordernde Krise im Vertrauen auf Gott und die Menschen, die fürsorglich alles Notwendige in die Wege leiten, gut bewältigen können.          

Pfarrer Roland Klaus



 

Willkommen bei der evangelischen Kirchengemeinde auf der Höri

Auf der Höri sind ca. 1300 Evangelische zuhause. Weit verstreut leben sie von Gundholzen bis Schienen, dem schönen Untersee entlang. Zwei Kirchengebäude haben wir. Eines ist die Petruskirche, die in jedem Reiseführer wegen ihrer sehenswerten Fensterbilder des Malers und Künstlers Otto Dix zu finden ist. Sie befindet sich in der Mitte zwischen Wangen und Öhningen an einem besonders schönen Platz über dem See in Kattenhorn. Dort  bieten wir im Sommer Führungen an. Zudem laden wir herzlich  in unser neues Gemeindehaus in Gaienhofen ein, das 2016 eröffnet wurde. In der Petruskirche finden für Interessierte Führungen statt (Startseite-Petruskirche).

Die evangelische Kirchengemeinde auf der Höri feiert ihre Gottesdienste abwechselnd in der Petruskirche in Kattenhorn und im Gemeindehaus. An  Festtagen und größeren Feiern nutzt man auch die Melanchthonkirche, die zur  Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen gehört.

Was sonst noch in unserer Gemeinde läuft, das können sie hier näher sehen. Vielleicht wecken wir ihr Interesse an dem ein oder anderen Angebot.

Das würde uns sehr freuen.

Ihr

Pfarrer Roland Klaus



Petruskirche in Kattenhorn




Petruskirche in Kattenhorn
Oberhaldenstraße 1
78337 Öhningen

Die  Petruskirche ist in den Sommermonaten (April-Oktober) täglich geöffnet von 10.00  Uhr- 18.00 Uhr.
In  den Wintermonaten (November-März) ist die Petruskirche an Festtagen, Samstagen und Sonntagen geöffnet von  10.00 Uhr- 17.00 Uhr.

Sie ist barrierefrei zu erreichen. Nutzen sie die Fahrzeug - Haltebucht an der Nordseite um jemand, der eingeschränkt gehfähig ist, aussteigen zu lassen. Er kann dann die Kirche auf einem geplasterten Weg gut erreichen. Vom Parkplatz aus ist die Kirche ebenso barrierefrei zu erreichen.

 



Das Gemeindehaus
Hauptstraße 233
78343 Gaienhofen

Wir vermieten auch unser neues Gemeindehaus für besondere Anlässe wie Jubiläumsfeiern, Geburtstage oder ihre Veranstaltung. Die Bedingungen der Vermietung erfahren Sie im Pfarramt.



Melanchthonkirche
Hauptstr. 229
78343 Gaienhofen


So erreichen Sie uns:


Pfarramt
Gütebohlweg 4
78343 Gaienhofen
Telefon:     07735 2074
Fax:            07735 1431
gaienhofen@kbz.ekiba.de

Spendenkonto:
Sparkasse Hegau-Bodensee
DE21 6925 0035 0004 0200 04
SOLADES1SNG

Frau Koch ist donnerstags und freitags von 9:30 h - 11:30 h im Pfarramt.
Pfarrer Klaus hat keine festgelegten Sprechzeiten. Bitte vereinbaren Sie einen Termin unter der oben genannten Telefonnummer oder per Mail direkt an roland.klaus@kbz.ekiba.de.