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Predigt am 2. Weihnachtstag 2017 in Schienen
Distanz und Nähe

Predigttext

Siehe,eine junge Frau ist schwanger. Sie wird einen Sohn gebären. Sie wird ihn Immanuel nennen. Gott mit uns ist sein Name.

Pfarrer Klaus

Betty Mitler ist eine amerikanische Sängerin. Sie hat einmal ein wie ich finde sehr schönes Lied geschrieben. From a Distance nannte sie das Lied. Von einer Distanz aus. Der Inhalt einer Zeile lautet daran anklingend: God is watching us, Gott is watching us from a distance. Gott schaut uns zu aus einer Entfernung, aus einer Distanz.

Ein entfernter Gott, ein distanzierter Gott. So beschreibt ihn die erfolgreiche amerikanische Sängerin. From a distance. Darin nimmt sie wohl das Denken von vielen heutigen Menschen auf. Ein Gott über uns, irgendwie aber auch entfernt, für manche ganz weit weg, nicht zu fassen. Ein Gott, der zuschaut, beobachtet, aber irgendwie nicht involviert ist. Eben from a distance

Weihnachten korrigiert dieses einseitige Bild. Weihnachten sagt: Gott bleibt nicht der distanzierte, der entfernte Gott. Der über uns wird zu dem Gott mit uns. Distanz wird überbrückt, Nähe wird spürbar. Der über uns tritt neben uns, wird bei uns sein. Sein Name ist Programm. Immanuel wird er genannt. Immanuel ist hebräisch und heisst übersetzt: Gott mit uns.

Distanz und Nähe sind für uns Menschen wichtige Lebenshaltungen. Distanz ist unerlässlich. Es ist schon einmal sinnvoll, eine Sache distanziert zu betrachten. Quasi von außen einen Blick drauf zu werfen. Ist man völlig in ihr drin, verliert man den Überblick. Verliert man sich im Vielerlei. Wird man systemblind.

Da tut Distanz gut. Ich brauche Abstand, um mir Dinge von außen anzusehen. Manche Firma holt deswegen externe Berater. Die beobachten und analysieren die Arbeitsabläufe in einem Betrieb und beraten dann. Unsere gesamte Wissenschaft ist eine Geschichte der distanzierten Beobachtungen. Wissenschaftler beobachten und beschreiben Phänomene und suchen dann Erklärungen dazu. Und auch in Beziehungen ist Distanz wahren wichtig. Ein Arzt, eine Krankenschwester wird nur helfen können, wenn sie nicht jede Krankengeschichte an sich heranlässt.

Und so kann es sein, dass wir an Weihnachten ja alle uns Familie wünschen. Und das ist schön, aber nach drei Tagen Essen denken wir auch mal: Gut wäre es, wenn die Angehörigen jetzt mal wieder nachhause fahren, so nett wie es ist. Und der Student, der nun drei Tage Mamas Küche schmeckte, denkt das auch: Gut mal wieder die eigne Bude in Köln oder Frankfurt zu bevölkern. Also bis nächstes Jahr Mamma. Weihnachten!

Distanz ist unerlässlich. Aber nun gilt zugleich: Nähe ist noch unerlässlicher. Jeder braucht Nähe. Das ihn einer berührt, zuhört, auf ihn zugeht, umarmt, mit ihm als Kind spielt, spaziert, begleitet, mitfreut, und nachspürt, wenn es brennt in der Seele. Gute Beziehungen leben von Nähe. Ohne Nähe verkümmern wir, fühlen wir uns allein, verlassen, auf uns selbst zurückgeworfen.

Kurz und gut: Distanz und Nähe gehören eng zusammen. Deren Balance macht das Leben aus. Mich distanzieren können, aber immer auch wieder Nähe suchen und eingehen. Nähe erfahren. Das ist eine dauernde Bewegung des Lebens.

Betty Mitler hat Gott in ihrem Lied nur unter dem Blickwinkel der Distanz beschrieben. From a Distance God is watching you. Der entfernte, beobachtende Gott. Distanziert. Ja, das ist er auch. Er ist der uns hoch Überlegene, der über uns. Der keinen braucht, der sich genug sein könnte. Der in sich ja das Leben ist und trägt. Der nicht auf unsere Nähe angewiesen ist. Aber nun geschieht Weihnachten. Weihnachten tritt der Gott über uns an unsere Seite. Aus Distanz wird Nähe. Fortan ist er der Gott mit uns. Immanuel ist sein Name. Hebräisch ist das. Deutsch heisst es: Gott mit uns. Gott bei uns. Gott lässt sich ein auf den Menschen mit Haut und Haaren. Gott hautnah. Er schenkt Nähe. Seine Nähe. Es drängt ihn dazu. Das ist das Geheimnis von Weihnachten.

Nähe heisst sich einlassen auf jemand. Manchem fällt das schwer sich einzulassen auf andere. Es fällt ihnen schwer, sich einzulassen auf andere, vertrauensvoll, hingebungsvoll. Manche begnügen sich mit dem Zuschauen, dem Beobachten. Manche leben nicht, weil sie nur Zuschauer ihres Lebens sind. Wie in einem Stadion sitzen sie auf der Tribüne, aber das Leben spielt unten auf dem Platz. Das istwatching from a Distance.

Weihnachten sagt nun: Da lässt sich Gott ein auf menschliche Bedingungen. Da lässt er sich ein auf den Menschen. Da ist der Mensch schlechthin sichtbar: vertrauensvoll, hingebungsvoll, Nähe schenkend. Weihnachten: Gott lässt sich ein auf Nähe. Er kommt nahe. Näher gehts nicht.

Auf dass keiner mehr sagen sollte: Unsere Welt ist kalt egoistisch - jeder macht sein Ding! Das mag man spüren, aber glauben kann ich es nicht seit Weihnachten. Keiner soll sagen: Ich bin allein! Allein gelassen. Das mag man spüren, aber glauben kann ich es nicht mehr seit Weihnachten.

Gott lässt sich ein. Radikal. Er wird zum Gott mit uns! Das müsste die Menschen doch in einer besonderen Weise zueinander bringen. Das müsste sie doch in einer besonderen Weise beieinander halten. Das müsste ihnen doch helfen, aufeinander zuzugehen, zuzuhören, auch wenn mir die Meinung nicht gefällt. Das müsste doch auch notwendige Grenzen der Hautfarbe, der Sprache, der Nation überwinden.

Denn hier ist Immanuel: Gott mit uns. Das ist fortan sein Name. Sein Name ist Programm.

Ich weiß, das ist auch eine gefährliche Aussage: Gott mit uns stand einmal auf Koppelschlössern von Soldaten. Sie zogen mit dem Gott mit uns in den Krieg!

Ich weiß: Gott mit uns steht noch in manchen Köpfen von Menschen, die sich auf den Weg machen, andere zu bekämpfen. Das steht in den Köpfen der über 700 Gefährdern, die in Deutschland leben. Das Bundeskriminalamt attestiert ihnen Anschlagspotential. Da wird Gott zur Waffe. Gott mit den Rechtgläubigen gegen die Falschgläubigen.

Doch Gott kann man nicht gegen andere auf seine Seite ziehen wollen. Letztens habe ich ein Interview mit Alice Weigel, die im Vorstand der AFD ist, gehört. Sie sagte darin: Die einzig christliche Partei sei für sie noch die AFD. Ist Gott ein Parteimitglied? Auf meiner Seite gegen andere?

Sein Name heisst Immanuel. Gott mit uns ist eine Person. Das ist Christus. Und an diesen Christus halten wir uns. An die Nähe, die er Fremden schenkte, Kranken, Ausgegrenzten, Schuldigen, Zweifelnden. Er allein ist der Immanuel. Gott mit uns. Mit ihm kannst du keine Schlachten gegen andere schlagen, da kämpft du höchstens gegen deine eigenen Vorurteile!

Mit Gott gegen deine Zuschauerhaltung im Leben. Lebe doch mit jeder Faser, beteilige dich, fühl dich wieder! Hautnah spüren. Mit Gott gegen deine Freudlosigkeit, mit Gott gegen deine Selbstzweifel. Mit Gott gegen deine Trägheit. Gott mit uns Immanuel. Er ist näher als du denkst, vielleicht kannst du es bloß noch nicht glauben und vertrauend leben.

Was für ein wunderschöner Name. Immanuel. Dieser Gott kann auch zuweilen distanziert erscheinen, weil er dir nicht die Luft zum Atmen nehmen will. Ein Gott, der sich nicht aufdrängt, sich verdrängen lässtaus dem Leben.

Er ist aber auch ein Gott der Nähe. Er macht sich nicht aus dem Staub, wenns brenzlig wird. Einer, der bleibt, nah bleibt. Ein Gott, der uns nicht braucht. Aber nicht ohne uns Gott sein will. Wie könntest du ohne ihn Mensch sein und werden. Jetzt kannst du es.

Amen