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Jahreslosung 2017

"Leben zwischen von Eigensinn und Gemeinsinn"

1.Korinther 2. 12 ff
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.
Und davon reden wir auch nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt
Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen«? Wir aber haben Christi Sinn.

Predigt zu Pfingstsonntag (Pfarrer Klaus)

Liebe Gemeinde

Das wäre bei Günther Jauch vielleicht eine 8000 Euro Frage: Was feiern wir an Pfingsten? Vielleicht würde da mancher einen Joker brauchen. Fifty- fifty Joker. Publikum voran. Klar, wer kirchlich sich auskennt, dem käme die Frage machbar vor: Das ist das Fest des Heiligen Geistes. So weit so gut. Aber damit dürfen wir uns heute nicht zufrieden geben. Denn jetzt fangen die Fragen erst richtig an. Was meinen wir mit Heiliger Geist? Was tut der denn? Wer ist das? Gehen wir heute diesen Fragen nach. Welche Antwort gibt uns Paulus da?

Seine Aussage ist: Der Heilige Geist verändert Menschen. Sie bekommen Christi Sinn, Gesinnung, Einstellung. Von Jesus her denken und sehen lernen und glauben, das wirkt der Heilige Geist. Lebenstragend wird für uns die Gesinnung Jesu. Kurzformel: Wir haben Christi Sinn! Das wirkt der Heilige Geist.  Das ist doch die große Frage im Leben. Welche Gesinnung leitet uns? Welche Einstellung treibt uns an, voran?

Wenn ich mich umsehe, entdecke ich heute zwei wesentliche Einstellungen, Denkweisen heute. Die erste ist der Eigensinn! Er sagt: Meine Interessen sind vorrangig. Meine Bedürfnisse zuerst. Die zweite ihr entgegengesetzte Gesinnung ist: Wir brauchen mehr Gemeinsinn. Denn sonst spaltet sich eine Gesellschaft. Den Sinn füreinander, für ein gutes Miteinander braucht es. Diese zwei Einstellungen sehe ich zur Zeit, oft konkurrierend, manchmal auch verbindend. Ich sehe es im persönlichen Leben und in den nationalen Bestrebungen. Und nun schreibt uns Paulus da von einem dritten Sinn, einer dritten Einstellung, einer dritten Gesinnung. Wir haben Christi Sinn. Ich habe mich gefragt: Warum ist diese Einstellung, Denken Jesu so wesentlich? Und ich meine, sie hilft uns Eigensinn und Gemeinsinn in der Balance zu halten. Sie hilft uns, nicht den Tücken des Eigensinns und des Gemeinsinns zu erliegen. Das will ich näher ausführen. Warum der dritte Sinn? Christi Sinn! Dazu müssen wir uns den Eigensinn und Gemeinsinn näher anschauen

1. Der Eigensinn
Eigensinn liegt in der Natur des Lebens. Er ist eine Art Grundausstattung des Lebens. Der Säugling z.B. schreit, wenn er Hunger hat. Das kleine Kind schreit so laut, bis es gehört wird. Das Kleinkind hat einen natürlichen Sinn für das eigene Befinden, für das, was ihm fehlt und das, was es möchte. Es artikuliert in seinen Lauten sein eigenes Interesse. Würde es nicht schreien, wüsste Mutter oder Vater nicht, was los ist. Wüssten sie nicht, was ihm weh tut. So aber hören sie, da fehlt was. Da ist ein Bedürfnis nicht befriedigt. Und die Mutter weiß, es wird sich melden, wenn es was braucht. So ist ein Sinn für das eigene Befinden, für die eignen Bedürfnisse durchaus sinnvoll und nützlich, ja gar notwendig, damit der andere weiß, wie er mit mir dran ist. Geradezu schwierig wird es daher, wenn Menschen ihre eignen Bedürfnisse gar nicht mehr wahrnehmen. Manche fühlen sich ja nicht mehr selbst, fühlen ihre Wünsche unzureichend, ihre Bedürfnisse. Sie gehen darüber hinweg, flüchten quasi in den Gemeinsinn. Sie haben sich aus den Augen verloren oder laufen geradezu von sich weg zu Anderen. Eigensinn kann sich aber auch wandeln in eine falsche Selbstlosigkeit. Da ist die eine Tücke des Eigensinns, die andere wurde mir einmal in der Jugend deutlich.

Ich habe lange Fußball gespielt. Da hatten wir in der Jugend einen Mitspieler, über den wir uns oft ärgerten. Er war so eigensinnig. Irgendwie übersah er uns zuweilen in bester Position. Er dribbelte sich dann fest. Er spielte im entscheidenden Moment nicht ab. Er war so bei sich, dass er in manchen Momenten uns Mitspieler vergaß. Seltsam, das wollte er oft gar nicht selbst, aber beim Spiel überkam es ihn quasi. Und da liegt eben die Tücke des Eigensinns. Ich kann nur um mich kreisen, um eine Bedürfnisse, um mein Wünschen. Ich kann nur meinen Vorteil im Blick haben. Dann heisst es: Ich komme zuerst. Und dann kommt lange nichts. Dadurch wandelt sich ein gesunder Eigensinn zur Ich- AG. Ich zuerst. Meine Interessen stehen über alle anderen. Dann sehe ich gar nicht mehr die Bedürfnisse anderer. Und da setzt nun der dritte Sinn an: Wir haben Christi Sinn. Seine Einstellung und Gesinnung wird lebenstragend für uns. Was war denn seine Einstellung, seine Gesinnung, sein Denken, sein Glaube? Wie kann man das näher beschreiben? Was hat er uns gezeigt? Was hat er Menschen spüren lassen? Da fällt an ihm auf:

Er vertraute darauf, dass das Leben umschlossen ist von einem gütigen Gott. Glaubst du, dass Gott deine Bedürfnisse nicht kennt? Weiß er nicht, was wir brauchen? Bist du der einzige, der das weiß. Und bist du es, der sicher weiß, was gut ist? Christus glaubte: Wir kommen nicht zu kurz im Leben, auch dann nicht, wenn ich viel gebe. Denn Gott beschenkt mich mit Leben, mit jedem Atemzug, mit Notwendigem.  Aus diesem Glauben heraus konnte Christus auf eigenes Glück verzichten. Er konnte selbstlos geben, auch wenn er nichts zurückbekam. Der Glaube an Christus hilft mir nicht um mich und meine Wünsche zu kreisen. Er stärkt den gesunden Sinn für die eignen Bedürfnisse, aber ich bleibe nicht an mir hängen. Ich weiß mich verbunden mit Gott und anderen. Das führt mich zum Gemeinsinn

2. Der Gemeinsinn
Gemeinsinn ist Sinn für andere. Gemeinsinn ist der soziale Kitt. Er hält die Menschen beieinander. Er sorgt dafür, dass andere nicht übersehen und übergangen werden. Er sorgt dafür, dass eine Gesellschaft sich nicht in reich und arm spaltet. Hartz 4 Empfänger und Millionäre, Studierte und Hauptschüler, Flüchtlingen und Deutsche. Gemeinsinn ist die notwendige Ergänzung und Begrenzung zum Eigensinn. Unser Mitspieler in der Fußballjugend hat das auch irgendwann gecheckt: Wenn ich den Ball abgebe, komme ich den gemeinsamen Zielen näher. Und mein Ziel gut zu spielen, ist verknüpft mit dem Zusammenspiel. Doch auch der Gemeinsinn hat seine Tücken. Dann wenn nur die Gruppe zählt oder eine Nation, dann wenn der Einzelne ganz aufgeht in der Gruppe. Sie ist dann alles, der Einzelne nichts. Neulich sah ich im Fernsehen eine erschütternde Sendung. Von der Jugend in Polen handelte sie. Sie nennen sich die Jungnationalen. Eine Pilgerfahrt wurde gezeigt. Sie endete in der Kirche. Der dortige Pfarrer schwor die Jugendlichen ein auf drei wesentliche Dinge: Gott, Ehre, Vaterland. Und ich dachte mir. Ist dieser Dreiklang noch unser Glaubensdreiklang? Beginnen wir nicht jeden Gottesdienst anders: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Was verschiebt sich hier in Richtung Nation, die sich abgrenzen muss. Und wer sich dagegen stellt, was ist mit dem? Und da setzt nun wieder die These von Paulus ein. Wir brauchen Christi Sinn. Wir brauchen den dritten Sinn! An ihm zeigt sich doch die Hinwendung zu denen am Rand, zu denen, die ausgegrenzt wurden. Er blieb sich treu, obgleich sich viele von ihm abwendeten. Er war nicht abhängig von Zustimmung und Beifall anderer. Er war bei sich. Das hilft mir mich nicht in die Gruppe oder Nation zu flüchten als Schutzraum meiner Identität. Wir brauchen Christi Sinn! Denken Einstellung Jesus werden lebenstragend für uns. Leben lernen wie er. Zu vertrauen wie er, Glauben finden wie er. Doch das kommt nicht aus uns selbst. Das machst du nicht! Das kommt nicht durch Appelle: Ändere deine Einstellung. Das kommt nicht durch Aufforderung: Entwickle neben dem Eigensinn einen Gemeinsinn! Denn das braucht es zur Balance. Paulus meint: Das wirkt der Heilige Geist. Das ist Wirkung von Pfingsten, Gottes Geist legt das in uns, verankert dies in uns. Das wirkt ein Anderer als ich selbst. Der Heilige Geist zieht mich zu diesem Sinn Christi, zudiesem Vertrauen. Er hält es in mir wach und lebendig.

So möchte ich heute nicht schließen mit moralischen Forderungen. Sie laufen oft ins Leere. Und die Tücken des Eigensinns und Gemeinsinns liegen oft tiefer als moralische Zeigefinger uns zu verändern vermögen. Das hat mit Ängsten und Verunsicherungen zu tun, die tief in uns wurzeln.

Was also können wir tun? In jedem Gottesdienst öffnen wir uns für diesen dritten Sinn. Wir beten. Wir hören auf das Wort der Bibel. Wir feiern das Mahl der Liebe und der Vergebung. Wir öffnen uns in diesem Tun dem Wirken des Geistes Gottes. Der verändert Menschen. Sie entdecken Christi Sinn. Und finden dabei sich und andere!

Amen