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Predigt zum 29. Januar 2012

Pfarrer Klaus

 

Liebe Gemeinde

Es war diese Woche im Religionsunterricht. Ich erzählte den 1/2 Klässlern eine biblische Geschichte. Die Kinder malten dann dazu. Ein Kind zeichnet in meine Vorlage zusätzlich  eine Wolke und pinselt ein Gesicht herein. „Das ist Gott“, sagt es. Und das Gesicht hat einen Bart und strahlt  leuchtend gelb. Ein anderes Kind beobachtet die malende Theologin. Es sagt: „Du musst ihn viel mächtiger malen. Größer ist Gott“. Eine kleine Diskussion der Kinder entsteht über das Bild von Gott. Eine kleine Begebenheit wie Kinder sich Gott bildlich vorstellen. „Gott ist größer als dein Bild“, sagt die Kleine. Ja, Gott ist größer als unsere Bilder und unsere Vorstellungen von ihm.

Auch wir Erwachsenen tragen seit Kindertagen Bilder in uns. Vorstellungen von Gott und Jesus. Natürlich wissen wir: Bilder, Vorstellungen verdeutlichen nur unzureichend, was wir glauben. Und zudem  sind bildliche Beschreibungen menschliche Vorstellungen. Allzumenschliche Vorstellungen. Jede Vorstellung von Gott hat seine Grenze. Aber ohne Bilder kommen wir auch nicht aus. Schon in der Bibel werden Bilder gebraucht: Sprachbilder, Vergleiche. Und Johannes malt uns heute ein Bild von Jesus vor Augen. Und so wurde in der Kunstgeschichte der Glaube natürlich auch immer wieder bildlich ausgedrückt. Große Werke hängen in den Museen der Welt. Wegen manchen sind Sie vielleicht weite Wege gefahren.

Schauen wir uns an, was Johannes  vor seinem inneren Auge wahrnimmt. Er hat  eine Art geistliche Schau. Vielleicht ist es auch eine Art Traumbild, so wie wir es zuweilen in einer Nacht haben, und dann klärt sich darin ein Teil unseres Lebens. Auf sehr ungewohnte Weise wird Jesus bildhaft beschrieben. Jesus erscheint da in übernatürlicher Gestalt. Die Augen wie Feuer, das Haupt weiß wie Schnee, sieben Sterne in der rechten Hand; ein doppelseitiges Schwert, welches aus seinem Mund ausgeht. Ein Jugendlicher sagte einmal zu diesen Beschreibungen. „Das kommt mir vor wie in einem Fantasyfilm“.

In der Tat  sind das ungewohnte Bilder. Vertrauter sind uns andere von Jesus. Die Weihnachtsbilder: Jesus als Kind in der Krippe. Jesus als der gute Hirte, der sich sorgend um den Einzelnen kümmert, dem Verlorenen nachgeht. Christus der heilende, so wie ihn Rembrandt im Hundertguldenblatt gemalt hat. Christus, der redende auf dem Berg, der segnende der Kinder, der Leidende . Diese Beschreibungen sind uns näher, vertrauter als die des Johannes

Die Beschreibung des Johannes erscheint mir aber wie eine Bündelung der vielen bildlichen Akzente. Eine Art Fokussierung, der unterschiedlichen Bilder. Als wollte er das  Geheimnis  Jesus auf einen Punkt hin bildlich beschreiben. Denn was sieht er da vor seinem inneren Auge: Christus erscheint in übernatürlicher Macht, jenseits von Zeit und Vergänglichkeit, umgeben von einem Lichtkranz. Sein Haar glänzend wie Schnee, also  voller Reinheit. So rein, dass es das Auge nicht vertragen kann. Zu rein für uns. Keine dunklen Flecken, wie es jedes Leben aufweist, keine Schattenseiten. Und Augen wie Feuer. Feuer ist eine der Urkraft der Lebensanfänge. Und ein Reden wie ein Wasserrauschen. Auch Wasser gehört zu den Elementen, die für Entstehung des Lebens unabdinglich waren. Licht, Feuer, Wasser. Diese lebensnotwendigen Elemente werden auf Jesus bezogen. Man kann die Bildinhalte auf einen sprachlichen Nenner bringen: Jesus ist der Herr. Der Herr des Lebens. Und wir gehören zu ihm. Zu keinem geringeren.

Es mag viele Herren geben,  die für uns das Leben zu bestimmen scheinen. Es mag manches geben, dem ich mich zuweilen ausgeliefert fühle. Es mag manches meine Seele erreichen, als sei dies gewaltig wie nichts anderes. Aber wir gehören zu diesem Herrn des Lebens. Zu keinem geringeren.

Manchmal mögen wir uns fragen: Wer, was regiert die Welt? Wer bestimmt ihre Entwicklung? Ist das das Geld, wie wir es zuweilen formulieren? Wissen wir, was wir sagen, wenn wir Christus als Antwort nennen. Dann darf nichts unser Innerstes berühren wie er. Dann darf kein Problem uns völlig besetzen! Dann darf keine Sache sich aufspielen als regiere sie uns und bestimme unsere Zukunft. Dann sind wir in seiner Hand. Und diese hat uns berührt so wie  sie Johannes berührt und ihn aufrichtet, weil er doch vor dieser Reinheit und Andersartigkeit  total erschreckt. Dann werden wir vor Widerständen nicht einknicken. Dann werden wir widersprechen, wo Leben verletzt wird.

Aber brauchen wir denn einen Herrn über uns? Können wir nicht selber unsere Herren sein, frei, nur unseren Stimmen und Gedanken folgend? Ich finde, es tut gut, nicht sein eigner Herr sein zu müssen. Denn zuweilen scheinen mir die Menschen wie herrenlose Tiere. Irgendwie ausgesetzt in dieser Welt. Sie suchen nach Ziel, Sinn und Glück und finden doch im Innern keine Heimat und Zuhause. Sie kennen niemand für den ihr kleines Leben bedeutsam ist, der die Hand auf ihre Schulter legt und sie herausruft aus ihrer Schreckhaftigkeit

Jesus ist der Herr. Der Herr des Lebens. Keine Macht reicht an ihn. Und sie war unscheinbar in seiner Krippe. Verborgen im Leidenden am Kreuz. So wird sie auch bei uns in unserer Schwachheit verborgen da sein. Wir gehören zum Herrn der Geschichte, Jesus ist der Herr.

Und dann hört Johannes auch eine Stimme. Er sieht nicht nur. Er hört. „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Und ich habe die Schlüssel des Todes und der Unterwelt“.

Nach der Schilderung der Bilder kommt nun das Wort dazu. Und was für eines! Christus, der  Herr des Lebens, hat die Schlüssel des Todes. Mit Schlüsseln kann man verschließen und aufschließen. Schlüsselgewalt nennen wir das. Und an besondere Orte haben nur wenige zutritt, einen Schlüssel für. Wichtige Leute tragen entscheidende Schlüssel mit sich. Den Tresor etwa in der Bank  können nur besondere Angestellte öffnen. Zugang zu den besonders chemischen Stoffen im Schrank der Schule hat nur ein Lehrer. In die Server Anlage einer Firma kommt nur einer rein, der sich damit auskennt Es gibt Hochsicherheitsbereiche, da brauchst du den Zugangscode, den Keycode,  den elektronischen Schlüssel. Und in deinem eignen PC loggst du dich mit einem solchen ein. Aber ob du der einzige bist, der zu deinen Daten Zugang hat, das ist im Netz nicht so sicher. Da hacken sich manche rein. Auf jeden Fall gilt: Ohne Schlüssel bleiben uns Räume verschlossen. Und von Christus heisst es nun: Ich habe die Schlüssel des Todes. Seine Schlüsselgewalt reicht weiter als jede andere. Wo unsere endet, kommt seine zum Ziel. Der Schlüssel zum Leben ist dieser Herr. Er hat die Macht, Türen zu öffnen. Nicht erst dann, wenn unser Leben einmal endet. Er öffnet die Tür heute. Denn er ist der Herr des Lebens. Die Tür ist offen. Trete heraus. 

Offenbarung des Johannes 1.9-18
Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus.
Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.
Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.
Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.
Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.