
| Aus dem Pfarramt Impressum |
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Predigt zur Jahreslosung 2012Pfarrer Klaus In Berufsinseraten kann man schon mal folgendes lesen: „Wir sind ein starkes Team. Wir suchen jemand, der unsere Mannschaft verstärkt. Wir brauchen ihre Stärken. Bewerben sie sich bei uns!“ Ja, solche Menschen sind gesucht: Starke Persönlichkeiten. Engagiert. Menschen, die zugleich Ihre Stärken integrieren in eine Gemeinschaft. Und das ist bestimmt aufregend in so einem Team zu arbeiten. Das macht sicherlich Freude da mitzuwirken. Aber da gibt es ja noch eine andere Seite in uns. Die Seite der Schwäche, der Schwachheit. Die wird in den Inseraten oft gar nicht erwähnt. Die Jahreslosung spricht sie aber deutlich an. Gerade das macht sie so reizvoll und interessant. Sie legt sich quer gegen das, was erwartet und gefordert wird. Was wir von uns selbst erwarten oder andere von uns. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. So übersetzt Luther wörtlich: meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit. Da wird von Gottes Kraft geredet. Von ihr bestärkt gehen wir in das Jahr 2012. Wir wissen nicht wie es wird, was auf uns zukommt. Aber wir brauchen nicht allein den Herausforderungen mit unseren Stärken entgegentreten. Wir brauchen nicht aus unserer Kraft allein was zu bewegen. Von Gott bestärkt und gestärkt gehen wir in das Jahr 2012. Und wir werden das gerade dort erfahren, wo wir schwach sind. Christus sagt: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Da wird kein Lob der Schwachheit angestimmt. Wie könnten wir. Aber diese andere Seite des Menschseins neben den Stärken wird beleuchtet. Und zugleich gezeigt, wie man damit umgehen kann. Jeder Mensch kennt das schwach sein, sich schwach fühlen, unzulänglich sein. Da gibt es die körperliche Schwäche: Manch älterer Mensch merkt die Einschränkung mehr und mehr. Ich kann nicht mehr, so wie ich will. Da wird vieles schwerer. Da trägt man dran. Da gibt es auch in der Wirtschaft ein Schwächeln. 2012 könnte so ein Jahr sein, sagt man. Moderates Wachstum wird erwartet. Aber längst nicht so stark wie dieses Jahr 2011 Wer hört das gerne? Steigende Zahlen wären angenehmer und damit weiter abnehmende Arbeitslosenzahlen. Aber es gibt eben auch Auf und Abschwünge in der Wirtschaft Und nicht nur da. Auch in der Gemeinde, im Gemeindenleben gibt es das: Ohne Frage kümmert sich Kirche auf vielfältige Weise um hilfsbedürftige Menschen. Wir fordern oft dazu auf sich um Schwache zu kümmern, sich stark für sie zu machen. Wir spenden, begleiten, tragen soziale Projekte mit. Eine Hauptaufgabe der Kirche ist Diakonie. Aber bieten unsere Gemeinden selbst auch Raum für Schwächen? Wie gehen wir im Gemeindeleben damit um? Mit dem was gar nicht gut geht, mit Schwächen, Niederlagen, Unzulänglichkeiten? Christus sagt: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Das ist Jesus Zuspruch, Ermutigung von Christus. Drei Gedanken möchte ich dazu näher beleuchten Gott bestärkt mich, Schwächephasen auszuhalten Gott bestärkt mich trotz Schwächen aktiv zu werden Gott bestärkt mich, da er auch meine Schwächen nutzen kann.
1. Gott bestärkt mich, Schwächephasen auszuhalten Es sind oft die eigenen Ansprüche von Stärke, die mir verbieten so zu sein, wie es gerade ist. Und dann halten wir uns mit Aufputschpillen über Wasser! Ich habe gelesen, dass Schulkinder schon in der Grundschule nicht wenige Pillen schlucken aus Angst vor Versagen, nicht mitzukommen. Als ob es Schwächphasen nicht geben darf! Eine ungute Entwicklung. Aber nun sagt unsere Losung: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Ich höre da: Ich kann durch Gottes Stärke Schwächephasen akzeptieren. Ich kann sie gelten lassen. Ich kann meine Grenzen annehmen. Die wischt Gott nicht einfach weg. Ich bin nicht Supermann, den übermenschliche Kräfte ereilen, weil er an Gott glaubt. Gott ist keine Aufputschpille, mit der ich länger durcharbeiten könnte. Nein: Durch seine Kraft darf ich Schwäche zunächst einmal eingestehen, Unzulänglichkeiten wahrnehmen. Da kann es dann sein, dass jemand sich eingesteht: So geht’s nicht weiter. Ich bin an der Grenze der Belastbarkeit. Oder da ist das ältere Ehepaar, das sich eingestehen kann: Ja, wir brauchen Hilfe, es geht nicht mehr fremde Unterstützung im Garten und im Haus daheim. Nicht eingestehen kostet uns viel mehr Kraft als das Eingeständnis der Schwäche! Gott bestärkt mich Schwächephasen auszuhalten. Und das ist zuweilen schwer genug!
2. Gott bestärkt mich trotz Schwäche aktiv zu werden oder anders: Rede dich nicht raus mit Schwäche! Manche reden sich raus mit der eigenen Schwachheit. „Ach dafür tauge ich ja gar nicht. Das liegt mir nicht. Das können andere besser“. Ich denke, das ist zuweilen nur ein Rausreden und wie kann man das besser als mit Schwachheit oder Unvermögen. Nicht nur Schüler verstehen sich gut darauf. Schon in der Bibel ist das so. „Ich kann nicht reden“, sagt Mose Gott. „Was mache ich, wenn ich vor den Pharao trete?“ Und so zieht sich das Rausreden mit Schwäche als Motiv durch die Bibel. Aber Gott sagt: „Glaubst du, ich brauche nur die Starken, nur deine starken Seiten. Packs an. Ich werde dir den Rücken stärken. Du kannst an dir zweifeln, sogar manchmal an deinen Fähigkeiten und Gaben. Aber ich werde dich bestärken. Ich werde dir den Rücken stärken, wenn du einen Vortrag hältst und bist unendlich nervös. Das erste Mal vor der Klasse, vor einer großen Zuhörerschaft. Ich stärke dir den Rücken, wenn du einknicken willst, wenn du dich zu schwach fühlst zu sagen, was gesagt gehört“ Du denkst, das könnte doch ein anderer tun. „Warum ich? Ich bin zu schwach“. Aber er sagt: „Meine Kraft vollendet sich genau da! Da kommt sie zum Ziel“. Oder da ist jemand, der will sich rausreden: „Was soll ich in einer bestimmten Beziehung die Probleme ansprechen. Anderen geht's auch so! Nichts ist perfekt.“ Aber da höre ich plötzlich jemanden sagen: „Ich stärke dir den Rücken! Komm wag es!“ Ja und machen denken: „Wenn ich einen starken Glauben hätte, dann…. Ich habe ihn aber nicht“. Setz dich dennoch ein. Gott wird dich schön kräftigen. Vielleicht ja fallen ihnen noch viel mehr Beispiele ein, wo wir uns rausreden mit Schwäche. Aber heute hören wir: Gott ist in den Schwachen mächtig.
3.Gott bestärkt, dass er auch meine Schwächen nutzen kann oder Gott nutzt Stärken und Schwächen Wir sind gewohnt von den Stärken zu reden und sie zu nutzen. Im Ansatz einer positiven Psychologie entwickelt man diesen Gedanken immer mehr. Da wühlt man dann nicht mehr in gescheiterten Biographien, sondern fragt nach stärkenden Ressourcen in einem Menschen. „Entdecke deine Stärken, was dich stärkt“, heisst das! Und das macht auch Sinn. In der Kirche nennt man das dann gabenorientierte Gemeindearbeit. Da fragt man danach, was kannst du gut? Bring doch deine Stärken da ein, wo es sinnvoll ist. Du verstehst gut zu erzählen, also dann bringe deine Gabe sprich Stärke in der Kinderarbeit ein. Solche Gabenorientierung bringt Menschen an die richtige Stelle. Und macht sicher mehr Freude als etwas zu tun, was ich gar nicht gut kann. Aber ich frag mich dabei: .Sollte Gott denn mit meinen Schwächen nichts anfangen können. Benötigt er nur meine Gaben, Talente, Stärken? Und das andere liegt brach, ungenutzt. Sollte Gott nicht auch unsere Unzulänglichkeiten zu etwas nutzen können und dadurch sogar etwas zu leuchten bringen?! Mir fielen die zwölf Jünger ein. Hatte Jesus sie gabenorientiert ausgesucht? Nein, die hatten ganz schöne Schwächen, aber mit ihnen fängt er was an. Und aus 12 sind heute Milliarden Menschen geworden, die sich Christen nennen. Was waren das für Jünger? Schwach zuweilen, im Glauben, ängstlich, furchtsam liefen sie weg, Überheblich. Da war Scheitern an eigenen Möglichkeiten angesagt. Und doch wirkt eine Kraft an und in ihnen. Die Kraft Jesu. Ich merke daran: Gott kann auch gestammelte Worte nutzen, um andere zu trösten. Gott kann auch mein Scheitern nutzen, um Neues zu bauen. Gott sieht den Menschen eben mit anderen Maßstäben an. Er hat eine Schwäche für das Schwache. Und das macht stark. Amen |
| Jahreslosung 2012 |
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| Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig |