
| Aus dem Pfarramt Impressum |
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3. Predigt zu den Kirchenfenstern in Kattenhorn
MATTÄUS 4, 18-22 Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird, und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze ins Werfen, denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und als er von dort weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze flickten. Und er rief sie. Sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten ihm nach.
Das Bild an der Altarwand zeigt den Menschenfischer. Wir wissen aus der Bibel, dass Petrus so genannt wird. Bei zwei Evangelisten wird auch sein Bruder Andreas so bezeichnet. Hier steht Jesus selbst als Menschenfischer vor uns! Jesus wird aber in der Bibel nie so bezeichnet. Erinnern wir uns: das erste Bild zeigt Petrus ohne Jesus, das zweite Bild Petrus mit dem auferstandenen Christus. Sollte das dritte Bild Petrus in Christus darstellen? Ich bin sicher, dass uns hier durch Christus der Petrus anschaut und durch Petrus der Christus am Werk ist. Ob Otto Dix sich das so gedacht hat? Wohl nicht.Da ist ihm wahrscheinlich ein genialer Fehler unterlaufen; genial deswegen, weil er eine Tiefendimension eröffnet, die wieder grundbiblisch ist. Noch etwas in diesem Bild lässt sich nicht genau entscheiden. Zieht dieser Mann das Fischnetz an sich oder bietet er seinen Fang dar? Die Gebärde ist nicht eindeutig. Wir werden also beides zu bedenken haben und nachempfindend herüber- und hinübergleiten müssen zwischen Petrus und Christus, zwischen Fangen und Bieten. Petrus, der Fischer, der jetzt Menschenfischer werden soll. Rudolf Bösinger hat eine Predigt über den Text Lukas 5, 1-11 gehalten. Er hat sie unter die Überschrift gestellt: "Einiges von Gottes miserablem Personal und der besten Arbeit der Welt". Und dann schreibt er, denkend an diesen Petrus, der so schrecklich versagt hat: "Können eigentlich Schlimme einer guten Sache dienen? Kann einer mit schmutzigen Händen beschließen, im Operationssaal sich nützlich zu machen? Kann einer, der seine besten Jahre verbummelt hat, sagen: "Fortan werde ich der Jugend mit meiner Weisheit dienen?" Können zerschlagene Lampen leuchten? Können Belastete tragen, können Schuldige zurechthelfen, Verkrampfte befreien, Unzulängliche Vollkommenes tun, geht das? Seht, hier nimmt Jesus Petrus in Dienst. Petrus sagt: Herr, geh hinaus von mit, denn ich bin ein sündiger Mensch!" Und der Herr sagt: "Von nun an wirst du Menschen fangen!" Und da geschieht's. Jesus holt die Menschen, wenn es sein muss - und es muss sein -, aus dem Suff wie den Evangelisten Hadley, oder aus dem Gefängnis, wie den Indienmissionar Skrefsrud, oder aus dem Dirnenwesen wie Maria Magdalena, oder - was viel schwieriger ist - uns aus unserer ehrbaren Selbstzufriedenheit." Was hat dieser auf den Weg gebrachte Petrus zu tun? Fischen soll er. Also möglichst viele Seelen zusammenbringen wie ein schlechter Sektenprediger? Vereinnahmen, und was dann? Fische, die da gefangen werden, werden ja getötet. Sie werden verkauft, verspeist, ein paar verderben auch und landen beim Abfall. Menschenfischer! Ich bin von diesem Wort nie begeistert gewesen, bis ich einmal der Sache nachgegangen bin und entdeckt habe, dass Lukas ein ganz bestimmtes Wort für "Menschenfischer" verwendet. Es kommt aus der Kriegssprache. In der damaligen Zeit war man nicht verpflichtet, Gefangene am Leben zu lassen. Man entschied, ob man sie als Sklaven brauchen konnte oder nicht. Das normale Los des männlichen Gefangenen war der Tod, wenn er nicht zu verkaufen war. Und dieses Wort, das heißt nun: lebendig fangen, und zwar so: am Leben lassen, am Leben erhalten statt töten, Gefangene am Leben erhalten statt töten; das kann sogar heißen: Leben entfachen, ein Feuer entfachen. Du sollst einer sein, heißt es da, der am Leben erhält, Menschen entfacht, neu belebt. Du sollst sie zum Leben bringen, wenn eigentlich der Tod ansteht. Wem fällt da nicht die Geschichte ein, wo Nikodemus zu Jesus kommt und ihn fragt: "Was soll ich denn tun?" Und Jesus zu ihm sagt: "Wenn jemand nicht von neuem geboren wird...' Am Leben erhalten, einen, der eigentlich schon tot ist, zumindest todgeweiht. Wiedergeboren sollt ihr werden aus Wasser und Geist. Wir wissen, dass hinter diesem Wort der Gedanke der Taufe steht. Im Wasser wiedergeboren werden, aus der Taufe gehoben werden. Die Taufe ist Thema, wo Menschenfischer am Werke sind. Ein ganz bestimmter Aspekt der Taufe ist hier angesprochen, ein Aspekt der Erwachsenentaufe. Wenn wir die ganz Kleinen taufen, denken wir daran, dass Gott sie jetzt beim Namen nennt und sagt: "Ihr sollt meine Kinder sein!' Aber es gibt auch den dunklen Aspekt der Taufe, dass man im Wasser ersäuft wird, dass ein alter Mensch hineingehen und ein neuer Mensch herauskommen muß, daß in der Tiefe der Taufe etwas stirbt und zu neuem Leben geboren wird, dass Wiedergeburt entsteht. Ich denke an die Taufbecken, die ich in Ionien gesehen habe, etwa in Seldcuk, dem ehemaligen Ephesus: Taufbecken in den Boden der Kirche gelassen, etwa 1,20 in tief. Es führen 6-8 Stufen hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf. Der Täufling, der alte Mensch, stieg hinunter, tauchte im Wasser unter und ging als neuer Mensch wieder hinauf. Er war aus der Tiefe, aus der Taufe gerettet. Und der Menschenfischer ist der Retter. Wir denken an das Schilf-Meer. Auch da ist das Volk Israel ins Meer hineingegangen. Keiner wusste, ob er lebend herauskommt. Jona fällt uns ein, der ins Meer geworfen wird. Er rechnet mit seinem Tod. Aber er ist ein neuer Mensch, als er an Land steigt, und er kann Gottes Botschaft ausrichten. Oder ich denke an die Schlangen an den alten Taufbecken etwa in Istanbul, in der Hagia Sofia, der uralten christlichen Kirche, die heute eine Moschee ist. Dort steht ein riesiges Taufbecken aus Metall. Zwei Schlangen winden sich um die Schale und züngeln hinein. Noch in der Taufe die Gefahr, von der Schlange erfasst zu werden! Hinunter der alte Mensch, und hinauf der neue Mensch. Menschen fischen, Menschen leben lassen, wo eigentlich der Tod ansteht, Menschen zu neuem Leben verhelfen, Wiedergeburt in der bewussten Taufe. Ist es ein Zufall, dass vor unserem Bild die Taufschale steht? Fragen wir weiter: Menschenfischer ist einer, der hindurchrettet. Wer rettet den eigentlich? Wir gleiten wie von selbst von Petrus zu Christus. Christus ist der eigentliche Menschenfischer. Wie rettet er? Durch das Kreuz. Dadurch, dass er für uns gestorben ist, dass er wie ein Lamm geopfert ist. Das Bild des Lammes ist uns geläufig. In der Kirche der beiden ersten Jahrhunderte gab es noch ein anderes Bild für den Retter Christus- den Fisch. In jener Zeit hat man sogar aus dem Fisch ein Glaubensbekenntnis gemacht. Fisch heißt auf griechisch Ι Χ Θ Υ Σ „ichthys", I=Jesus, CH=Christus, TH=theu (Gottes), Y=yios (Sohn), S=soter (Reiter). Jesus Christus, Gottes Sohn, der Retter Jesus wurde als Fisch bezeichnet, so wie wir es gewohnt sind, dass er als Lamm bezeichnet wird. Man hat das Fischsymbol sogar als Geheimzeichen verwendet. Man hat es an die Hauswand gespritzt, so wusste ein Christ auf der Flucht: hier kann ich unterkommen! Auf den Gräbern, auf den christlichen Gräbern jener Zeit taucht immer wieder der Fisch auf. Christus, wie bei Jona, der rettende Fisch. Der Delphin, der als Fisch angesehen wurde, war in der Antike schon der Begleiter, der die Toten in die Totenwelt geleitete und sie an den Gefahren vorbeibrachte. Das Bild hat man dann in die christliche Symbolik übernommen und Christus, den Totenretter, damit gekennzeichnet. So ist Christus als der Fisch Otto Dix sogar in sein Bild hineingeraten.Drehen Sie das Bild einmal so herum, dass es auf der Seite liegt, und Sie werden den Fisch schwimmen sehen. Dass der Kopf nun zur Schwanzflosse wird, ist für das Symbol nicht wichtig. Köpfe sind für die Sprache der Seele nicht das wichtigste, im Gegenteil. Die Fülle des Fischleibes besteht in den lebendig gemachten Menschen. Dieses Bild: Christus, der Fisch, ist im Lauf der Kirchengeschichte verschwunden, während Christus, das Lamm, bis auf unsere Tage seine Symbolkraft behalten hat. Noch einmal die Frage: Wie rettet der Christus? Auch indem er Speise bietet. Fische werden hier dargeboten wie in der Geschichte von der Speisung der 5000 Hörer. Auch indem er sich selbst als Speise darbietet im Abendmahl, in Brot und Wein. "Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird!" In der frühen Kirche trat zu Brot und Wein manchmal auch der Fisch als Drittes hinzu. Man hat ihn als hochheilige Speise bezeichnet. Auch dieser Brauch ist wieder verschwunden. So sind beide Sakramente in diesem Bild gegenwärtig. Der Taufstein und der Abendmahlstisch stehen ja auch dicht dabei. Beide Sakramente haben das Leben für den Verlorenen, für den Todgeweihten zum Ziel. Kehren wir noch einmal zu den Fischen im Netz zurück. Vom Kirchenvater Tertullian stammt der Satz: "Wir Fischlein werden wie unser Fisch Jesus Christus im Wasser geboren, und nicht anders als im Wasser verbleibend haben wir das Leben." Immer wieder wird in der alten Kirche das Taufbecken als Fischteich bezeichnet, in dem die Fischlein, die pisculi, schwimmen. Es ist dasselbe Bild wie die Lämmerherde. "Weide meine Lämmer, erhalte meine Fischlein am Leben, du Menschenfischer!“ So gleiten wir wieder zu Petrus hinüber. Er hat eineAufgabe, die aus dieser Zeit weit hinausreicht in die Ewigkeit. Sie erschöpft sich nicht im Gemeindesammeln. "Dir gebe ich die Schlüssel des Himmelreichs." Ich glaube, das will Otto Dix mit den Farben bewusst machen. In der Reihenfolge der Bilder gehen sie vom Gelblichen, Grünlichen, Bläulichen ins Tiefblaue hinüber, von dem, was noch auf der Erde ist, hinüber in das, was Reich Gottes, was Geist ist. Petrus also, der so entsetzlich versagt hat, der bedingungslos wieder angenommen worden ist,der wird nun in Christus hineingenommen, geht in ihm wirkend auf,geht dann auch sterbend und auferstehend in ihm auf. Hier ist dem Künstler wirklich ein großes Symbol gelungen. Symbol, das ist ja nicht etwas, was man auch anders hätte sagen können. Insofern kann auch ein Deutungsversuch nie eine Analyse sein, die nun endlich vollständig sagt, was da alles enthalten ist, sondern er ist wie ein Weg, den man ein Stück weit markiert, auf dem man sich aber nach rechts und links noch weiter umsehen kann. Carl Gustav Jung hat einmal gesagt: "Symbol, das ist die bestmögliche Bezeichnung, die bestmögliche Formulierung für ein Objekt, das man nicht völlig erkennen kann." In diesem Sinn heißt sogar unser Glaubensbekenntnis Symbol. Im Lateinischen heißt es ja symbolum. Dort ist auch etwas ausgesagt, was unseren Glaubensinhalt keineswegs erschöpfend definiert, sondern uns nur einen Weg zeigt. |
| Petruskirche in Kattenhorn Oberhaldenstraße 1 78337 Öhningen |
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Wegen ihrer bunten Fenster, die von Otto Dix entworfen wurden, ist die Petruskirche berühmt. 1. Predigt zu den Kirchenfenstern |